Markenrelaunch: Warum die besten Relaunches keine Logoprojekte sind

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Norbert Kessler
3 min read

Markenrelaunch: Warum die erfolgreichsten Relaunches keine Logoprojekte sind

Kurzantwort vorab: Ein Markenrelaunch ist kein neues Logo, sondern ein mehrjähriges Wachstumsprogramm. Die strategisch stärksten Relaunches der letzten Jahre folgen demselben Muster: ehrliche Diagnose, geschärfte Positionierung, klare Speerspitze, interne Aktivierung und konsequente Umsetzung über mehrere Jahre.

Was ist ein Markenrelaunch?

Ein Markenrelaunch ist die strategische Neuausrichtung einer bestehenden Marke mit dem Ziel, Relevanz, Differenzierung und Wachstum zu sichern. Er umfasst in der Regel vier Ebenen: Markenstrategie (Positionierung, Leitbild, Werte), Markenarchitektur (Verhältnis von Dach-, Sub- und Produktmarken), Corporate Design (visuelle und verbale Identität) und interne Aktivierung (Mitarbeiter als Markenbotschafter).

Ein Markenrelaunch ist nicht zu verwechseln mit einem Refresh (kosmetische Anpassung des Designs) oder einem Rebranding (vollständiger Identitätswechsel inklusive Name).

Welche Ziele verfolgt ein Markenrelaunch?

Ein erfolgreicher Markenrelaunch verfolgt typischerweise drei Ziele gleichzeitig:

  1. Positionierung schärfen – die Antwort auf die Frage, warum es diese Marke gibt und für wen.
  2. Neue Zielgruppen oder Segmente erschließen, ohne die bestehenden zu verlieren.
  3. Das Unternehmen intern neu ausrichten, damit Strategie, Produkt, Vertrieb und Kommunikation wieder denselben Takt gehen.

Wer nur einen dieser Hebel zieht, erzielt einen kosmetischen Effekt. Wer alle drei zieht, schafft Wachstum, das trägt.

Das Muster hinter den stärksten Relaunches

So unterschiedlich Marken auf den ersten Blick wirken – die Logik dahinter ist auffällig ähnlich. Vier Eigenschaften kehren immer wieder:

  • Ehrliche Diagnose statt Designidee. Sie beginnen mit einer klaren Analyse des Geschäftsproblems, nicht mit einem Moodboard.
  • Klare Speerspitze. Ein Produkt, ein Segment oder eine Geschichte baut Glaubwürdigkeit auf, bevor die ganze Marke nachzieht.
  • Innen vor außen. Mitarbeiter, die die Marke nicht verstehen, können sie auch nicht verkaufen.
  • Mehrjähriger Prozess. Die starken Relaunches sind keine Kampagne, sondern ein mittel- bis langfristiges Programm.

Ein Beispiel aus der Praxis: uvex

Wie sich dieses Muster konkret anfühlt, zeigt der Markenrelaunch der uvex group ab 2012. Statt einem Designwechsel wurde ein systematisches Markenprogramm aufgesetzt: neue Markenarchitektur (uvex group, uvex, Alpina), geschärftes Leitbild „2020“ und konsequente interne Aktivierung über den uvex Brand Day und das uvex Brand Book für rund 200 internationale Führungskräfte.

Das Ergebnis: German Brand Award 2016 für herausragende Markenführung in der Kategorie Excellence in Brand Strategy, Management and Creation – und eine Marke, die bis heute relevant ist.

Den ausführlichen Showcase mit allen strategischen Hebeln und Learnings gibt es im geschützten Bereich (Login erforderlich).

Warum scheitern die meisten Markenrelaunches?

Die häufigsten Gründe, warum Markenrelaunches scheitern:

  • Sie werden als Designprojekt statt als Geschäftsprogramm verstanden.
  • Sie haben kein klar benanntes Geschäftsziel (z. B. neue Zielgruppe, höheres Preisniveau, neue Märkte).
  • Sie werden nicht intern verankert – Vertrieb und Mitarbeiter werden zu Empfängern statt zu Botschaftern.
  • Sie werden zu schnell abgeschlossen – sechs Monate für ein Programm, das drei Jahre Aufbau braucht.
  • Sie haben keine Speerspitze – alles wird auf einmal verändert, nichts wird glaubwürdig.

Ein neues Logo ist in diesen Fällen die teuerste Art, ein altes strategisches Problem zu kaschieren.

Fünf Fragen vor jedem Markenrelaunch

Diese fünf Fragen sollte jede Inhaber, Eigentümerfamilie, Geschäftsführung und Investor beantworten können, bevor ein Relaunch startet:

  1. Welches konkrete Geschäftsproblem soll der Relaunch lösen?
  2. Welche Zielgruppe wollen wir gewinnen – und welche dürfen wir dabei nicht verlieren?
  3. Was ist unsere Speerspitze, mit der wir die neue Markenwelt zuerst beweisen?
  4. Wer sind unsere ersten internen Botschafter – und wie aktivieren wir sie?
  5. Sind wir bereit, das Programm über 2–5 Jahre konsequent zu fahren? Gerade im Hinblick auf die Entwicklungszyklen von markenrelevanten Sortimenten.

Wenn die Antworten klar sind, ist ein Markenrelaunch ein Wachstumshebel. Wenn nicht, ist er ein teures Re-Design.

Über den Autor

Norbert Kessler ist CBO, CMO und Co-Founder mit Fokus auf Markenführung als Wachstumshebel im Mittelstand und in Scale-ups. Er hat unter anderem den preisgekrönten Markenrelaunch der uvex group strategisch begleitet (German Brand Award 2016).