
„Claude, mir gefällt die PV-App meines Anbieters nicht. Kannst du mir eine bessere bauen?“
So fing es an.
Wir haben seit einigen Jahren eine PV-Anlage zuhause. Dazu Batteriespeicher, Wallbox, E-Autos und Klimaanlage. Speicher und Wallbox kommen von unterschiedlichen Herstellern. Genau da fing das Problem an. In der App meines PV-Anbieters bekam ich zwar einen Teil der Daten, aber eben nicht das Gesamtbild. Die Wallbox ließ sich dort nicht einbinden. Ich wollte mich nicht damit abfinden, mehrere Apps zu öffnen und die Zusammenhänge im Kopf selbst herzustellen. Mich interessiert nicht nur, wie viel Strom die Anlage gerade produziert. Ich möchte auf einen Blick sehen, was im Haus passiert, wie viel Energie wir selbst nutzen, was in den Speicher geht, was die Autos verbrauchen und was uns die Anlage tatsächlich spart. Und ich wollte wissen, wann sie sich amortisiert.
Also habe ich angefangen, Claude zu erklären, was mich an der bestehenden Lösung stört. Nicht technisch. Das könnte ich gar nicht. Ich habe beschrieben, was ich sehen möchte, was mir fehlt, wie Informationen zusammengehören und wie ich die Oberfläche aufgebaut haben will. Wenige Prompts später lief der erste Code in meinem CMS.
Heute bündelt mein Dashboard die Daten, die für mich relevant sind: PV-Anlage, Batteriespeicher, Wallbox, E-Autos und Klimaanlage. Dazu Berechnungen für Ersparnis und Amortisation. Alles in einer Oberfläche. Responsiv. In meinem Design. Auf die Informationen reduziert, die ich tatsächlich sehen will.
Und als Markenmensch war mir natürlich auch wichtig, dass das Ganze nicht nach Bastelprojekt aussieht. Wenn ich mir schon meine eigene Anwendung baue, dann soll sie sich auch nach mir anfühlen. Also habe ich das Dashboard konsequent in meinem Markendesign übersetzt: Typografie, Farben, Flächen, Details. Das Design wird für mich erst dann gut, wenn ich Informationen schnell erfasse und sie gleichzeitig gerne benutze.
Ich habe dafür keine Programmiersprache gelernt. Was ich allerdings machen musste, war ziemlich genau zu erklären, was ich eigentlich brauche. Und das war interessanter als das Programmieren selbst.
Welche Information gehört nach oben?
Was will ich sofort erkennen?
Welche Zahl braucht Kontext?
Was kann weg?
Was fehlt mir für eine Entscheidung?
Mit jedem Schritt wurde das Dashboard besser. Nicht weil die KI plötzlich verstanden hatte, was ein gutes Energiedashboard ist. Sondern weil ich genauer wurde. Das ist ein Unterschied.
Eigentlich wollte ich nur zeigen, was aus ein bisschen Ausprobieren mit Claude entstanden war. Der Post hatte innerhalb weniger Stunden mehr als 24.000 Impressions. Dazu kamen Kommentare, Nachrichten und E-Mails. Und zwei konkrete Investorenangebote. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Offenbar gibt es einen Bedarf, der über mein eigenes kleines Problem hinausgeht. Interessanter als die Reichweite war, worauf die Leute reagierten. Viele kannten das eigentliche Problem: Die Daten sind vorhanden, aber die mitgelieferte Anwendung zeigt nicht unbedingt das, was der einzelne Nutzer wissen möchte. Vor allem dann nicht, wenn PV-Anlage, Speicher, Wallbox und weitere Komponenten von unterschiedlichen Herstellern kommen. Andere fragten direkt nach Schnittstellen, Home Assistant oder danach, wie ich an die Daten komme.
Und dann kam noch ein ziemlich hilfreicher Reality Check. Ein Nutzer hatte anhand meines Screenshots die Adresse des Dashboards erraten und konnte die Live-Daten sehen. Verändern konnte er nach eigener Aussage nichts. Trotzdem war die Sache klar: Wenn man sich selbst Anwendungen baut, gehört Absicherung genauso dazu wie die schöne Oberfläche. Auch das war Teil des Experiments.

Das Dashboard ist nett. Ich benutze es jeden Tag. Die größere Veränderung liegt für mich aber woanders. Bis vor kurzem hätte ich mit meiner Idee wahrscheinlich drei Möglichkeiten gehabt: mit den vorhandenen Apps leben, eine passende Software suchen oder jemanden beauftragen, mir etwas zu programmieren. Heute konnte ich einfach anfangen.
Ich musste keinen Business Case schreiben. Kein Projekt aufsetzen. Keine Entwicklungsressource suchen. Problem beschreiben. Ersten Entwurf ansehen. Ändern. Verwerfen. Weiterbauen. Natürlich macht mich das nicht zum Softwareentwickler. Spätestens bei Architektur, Sicherheit, Schnittstellen und einer Anwendung für andere Nutzer reicht ein funktionierender Code allein nicht. Aber die Schwelle zwischen einer Idee und einem ersten funktionierenden Produkt ist drastisch gesunken. Das finde ich relevant.
Gerade für Menschen, die aus Produkt, Marke, Vertrieb oder Business kommen. Wir können Dinge heute selbst ausprobieren, für die wir vor kurzer Zeit zuerst Spezialisten gebraucht hätten. Nicht bis zur fertigen Software. Aber weit genug, um aus einer Idee etwas zu machen, das man benutzen, testen und besser machen kann.
Dass daraus innerhalb weniger Tage sogar zwei konkrete Investorenangebote entstanden sind, hätte ich vorher nicht erwartet. Ob daraus irgendwann mehr wird, weiß ich nicht. Aber offenbar habe nicht nur ich keine Lust, für ein vollständiges Bild meiner eigenen Energiedaten zwischen mehreren Hersteller-Apps hin und her zu springen.
Aktuell läuft das Dashboard als private HTML-Anwendung. Eine eigene App wäre der nächste logische Schritt. Ein Apple-Watch-Widget würde mir eigentlich schon reichen: PV-Leistung, Speicherstand, Hausverbrauch und Ladezustand der Autos direkt am Handgelenk. Mal sehen.
Vor ein paar Wochen konnte ich schließlich auch noch nicht programmieren.
Kann ich übrigens immer noch nicht.













